#82 KlimaGoodNews: Energie für den Wandel
Die 30. Weltklimakonferenz ist vorbei. Vom 10. bis 22. November haben die Staaten in Belém intensiv um Fortschritte im globalen Klimaschutz gerungen und ein gemischtes, aber keineswegs bedeutungsloses Bild hinterlassen. Neben schwierigen Verhandlungen und langem Ringen wurden wichtige Beschlüsse gefasst, die die internationale Klimapolitik konkret voranbringen. So soll die internationale Finanzierung für Klimaanpassung bis 2035 verdreifacht werden. Zudem wurden zentrale Instrumente wie der Fonds für Schäden und Verluste sowie das “Just Transition Work Programme” offiziell arbeitsfähig gemacht, sodass betroffene Länder künftig besser unterstützt werden können. Auch freiwillige Initiativen zum Schutz von Regenwäldern erhielten neue Impulse und zusätzliche Mittel. Für viele Länder sind diese Schritte ein realer Fortschritt, weil sie helfen, die Umsetzung des Pariser Abkommens zu stärken und besonders verletzliche Staaten besser zu unterstützen.
Dennoch blieb ein entscheidender Erfolg aus. Der angestrebte Fahrplan für den globalen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas fand keinen Konsens. Vor allem öl- und gasreiche Staaten verhinderten eine klare gemeinsame Linie, während die USA gar nicht erst teilnahmen. Damit blieb die Konferenz hinter dem Anspruch zurück, eine verbindliche Richtung für den notwendigen Abschied von fossilen Energien vorzugeben. Die geopolitische Lage zeigt hier ihre ganze Wirkung, denn wirtschaftliche Interessen und politische Blockaden bremsen weiterhin substanzielle Fortschritte aus.
Gleichzeitig verdeutlicht die Entwicklung jenseits der Verhandlungstische, dass der Wandel der Energiesysteme längst begonnen hat. Erneuerbare Energien wachsen weltweit schneller als jede andere Energiequelle, Solar- und Windkraft erreichen neue Rekorde und viele Länder treiben ihre Ausbauziele weiter voran. Trotz Widerständen, Uneinigkeiten und wechselnder Prioritäten einzelner Regierungen schreitet die globale Energierevolution mit hohem Tempo voran. In dieser Ausgabe der KlimaGoodNews geht es deshalb um besondere Beispiele und Entwicklungen, die zeigen, wie die Energiewende weltweit weiter an Kraft gewinnt. Viel Freude beim Lesen 💚
EU: Ökostrom treibt Emissionsrückgang voran
Im Jahr 2024 sind die Treibhausgasemissionen in der EU um schätzungsweise 2,5 Prozent gesunken. Hauptverantwortlich für den Rückgang ist der anhaltende Ausbau von Wind- und Solarenergie, der den Energiesektor zunehmend von fossilen Brennstoffen unabhängig macht. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) sind die 27 EU-Staaten damit auf gutem Kurs, ihr Klimaziel für 2030 zu erreichen: eine Emissionsreduktion um 55 Prozent im Vergleich zu 1990.
Bislang wurden bereits mehr als 37 Prozent eingespart. Ohne Berücksichtigung des internationalen Luft- und Seeverkehrs liegt der Rückgang sogar bei 39 Prozent. Die stärksten Einsparungen erfolgen im Energiesektor. In Bereichen wie Landwirtschaft, Gebäude und Abfallwirtschaft sind die Fortschritte geringer. In Industrie und Verkehr stiegen die Emissionen leicht an, was unter anderem auf rückläufige E-Auto-Verkäufe im Jahr 2024 zurückzuführen ist. Diese ziehen mittlerweile jedoch wieder an.
Für das Jahr 2040 haben sich die EU-Staaten auf ein neues Etappenziel verständigt. Die Emissionen sollen bis dahin um mindestens 90 Prozent gegenüber 1990 sinken. Fünf Prozentpunkte davon können durch internationale Klimadeals erbracht werden. Eine endgültige Einigung steht noch aus und muss mit dem Europaparlament verhandelt werden.
Trotz einzelner Herausforderungen ist der Trend eindeutig: Das langfristige Ziel der Klimaneutralität bis 2050 rückt näher. Entscheidend bleibt, den Ausbau erneuerbarer Energien weiter voranzutreiben und politische Maßnahmen konsequent umzusetzen, vor allem in jenen Sektoren, in denen die Emissionen bislang kaum sinken.
Uruguay: Strom fast komplett aus erneuerbaren Quellen
Uruguay hat seine Stromversorgung in den vergangenen Jahren grundlegend umgestellt. Über 90 Prozent stammen inzwischen aus erneuerbaren Energien – vor allem aus Windkraft, Wasserkraft und Biomasse, zunehmend auch aus Solarenergie. An manchen Tagen wird der gesamte Strombedarf grün gedeckt. Den Anstoß gab eine Energiekrise im Jahr 2008, die die Abhängigkeit von fossilen Importen deutlich machte. Daraufhin setzte das Land auf eine langfristige Strategie mit klaren Zielen und breitem politischen Rückhalt.
Rund sieben Milliarden US-Dollar wurden in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Mehr als 50 Windparks gingen ans Netz, unterstützt von attraktiven Rahmenbedingungen für Investor:innen. Auch deutsche Unternehmen waren beteiligt. Die Bevölkerung wurde früh einbezogen, neue Arbeitsplätze entstanden, besonders in ländlichen Regionen. So wurde aus der Energiewende ein gesamtgesellschaftliches Projekt.
Heute profitiert das Land mehrfach: von Versorgungssicherheit, wirtschaftlichem Aufschwung und sinkender Armut. Nun sollen Solarenergie und grüne Wasserstoffwirtschaft ausgebaut werden. Uruguay zeigt, wie entschlossene Politik und gesellschaftlicher Konsens den Wandel möglich machen.
Finnland: Wie Strom bezahlbar und klimafreundlich wird
Finnland gilt als europäisches Vorbild für ein flexibles, stabiles und sauberes Stromsystem. Rund 95 Prozent des finnischen Stroms sind bereits CO₂-neutral, mehr als die Hälfte stammt aus erneuerbaren Quellen. Möglich wird das durch eine intelligente Kombination aus moderner Netztechnik, digitalen Zählern und dynamischen Stromtarifen.
Nahezu alle finnischen Haushalte sind mit Smart Metern ausgestattet. Dadurch können sie ihren Stromverbrauch gezielt in Zeiten verlagern, in denen Strom reichlich und günstig verfügbar ist, etwa bei starkem Wind oder viel Sonne. Das entlastet das Netz, senkt Emissionen und spart Kosten. 2024 lag der durchschnittliche Strompreis in Finnland bei etwa 25 Cent pro Kilowattstunde. In Deutschland waren es 40 Cent.
Auch in der Netzstruktur setzt Finnland auf Innovation. Automatisierung, Laststeuerung und digitale Plattformen wie der nationale „Datahub“ ermöglichen eine effiziente und transparente Steuerung des Stromflusses. So profitieren Verbraucher:innen von einem stabilen Netz, günstigen Preisen und einem hohen Anteil sauberer Energie.
Australien: Kostenloser Solarstrom zur Mittagszeit
Australien treibt seine Energiewende mit einem neuen Programm voran. Ab Juli 2026 erhalten Haushalte in mehreren Bundesstaaten täglich drei Stunden kostenlosen Solarstrom. Möglich wird das auch für Familien ohne eigene Solaranlage. Voraussetzung ist ein intelligenter Stromzähler und die Teilnahme an einem entsprechenden Tarifmodell.
Das Angebot richtet sich gezielt an die Mittagszeit, wenn besonders viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird. Wer in diesen Stunden etwa Waschmaschine, Geschirrspüler oder Elektroauto nutzt, spart Stromkosten und entlastet gleichzeitig das Netz. Die Regierung will damit nicht nur den Verbrauch nachhaltiger gestalten, sondern auch die Netzstabilität verbessern und Infrastrukturkosten senken.
Der Anteil erneuerbarer Energien im australischen Strommix wächst schnell. Während 2024 noch fast die Hälfte des Stroms aus Kohle kam, sollen es bis 2030 rund 82 Prozent aus erneuerbaren Quellen sein. Mit dem Solarprogramm will die Regierung den Zugang zu grünem Strom für breite Bevölkerungsschichten erleichtern und das Energiesystem zukunftsfähig gestalten.
💪 Challenge der Woche: Strom wechseln, Klima stärken
Der Wechsel zu Ökostrom gehört zu den wirksamsten Schritten, die Haushalte für den Klimaschutz tun können. Er ist unkompliziert, spart oft sogar Kosten und reduziert spürbar die eigenen Emissionen.
Allerdings ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom. Viele Tarife gelten als „grün“, bestehen aber lediglich aus Herkunftsnachweisen, ohne dass damit der Ausbau erneuerbarer Energien vorangebracht wird. Wer tatsächlich etwas bewirken will, sollte auf Tarife setzen, die nachvollziehbar zur Energiewende beitragen.
Die Challenge für diese Woche lautet daher:
⚡️🌿 Prüfe Deinen aktuellen Stromanbieter – und wechsle, wenn möglich, zu einem zertifizierten Ökostromtarif.
Das kannst du konkret tun:
- Stromverbrauch prüfen: Die Jahresabrechnung gibt Aufschluss über den bisherigen Verbrauch.
- Anbieter vergleichen: Nutze Plattformen wie das Vergleichsportal der Umweltverbände oder Utopia. Dort findest Du ausschließlich Anbieter, die nachweislich echten Ökostrom liefern, mit glaubwürdigen Zertifikaten und transparenten Kriterien.
- Auf verlässliche Labels achten: Die wichtigsten Gütesiegel sind das Grüner Strom-Label und das ok-power-Label. Sie stehen für Tarife mit zusätzlichem Klimanutzen, etwa durch Investitionen in neue Anlagen. Diese Labels helfen dabei, Angebote mit reinem „Öko-Marketing“ zu erkennen und zu vermeiden.
- Anbieter mit Engagement wählen: Anbieter wie Naturstrom, Green Planet Energy oder EWS Schönau investieren nachweislich in erneuerbare Energien und arbeiten unabhängig von Kohle- oder Atomstromkonzernen. Auch zertifizierte Stadtwerke können eine gute Wahl sein – ein kurzer Blick auf ihre Herkunftsnachweise lohnt sich.
- Wechsel beauftragen: Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung. Die Versorgung bleibt stabil, nur die Quelle des Stroms ändert sich.
- Vertrag prüfen: Achte auf transparente Angaben zu Laufzeit, Preis und Stromherkunft. Gute Anbieter stellen diese Informationen offen zur Verfügung.
Ein bewusster Wechsel zu zertifiziertem Ökostrom ist ein konkreter Beitrag zur Energiewende. Wer auf glaubwürdige Anbieter setzt, unterstützt aktiv den Umbau des Energiesystems. Zertifizierte Tarife sind dabei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern in vielen Fällen auch ökonomisch attraktiv. Sie konkurrieren preislich mit konventionellen Angeboten und zeichnen sich oft durch langfristige Preisstabilität aus. Der Umstieg erfordert keinen technischen Aufwand. Ein Vergleich lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, es auszuprobieren 😊
Vielen Dank fürs Lesen der KlimaGoodNews #82 💚
Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe mit positiven Nachrichten für eine nachhaltigere gemeinsame Zukunft!