#84 KlimaGoodNews: Mehr für’s Meer
Mit unserer ersten Ausgabe der KlimaGoodNews in 2026 können wir auf eine Entscheidung von globaler Bedeutung blicken: Morgen, am 17. Januar 2026, tritt ein Abkommen in Kraft, das lange als politisch kaum realisierbar galt. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben sich die Vereinten Nationen erstmals auf verbindliche Regeln für den Schutz der Hohen See geeinigt. Das Hochseeabkommen (BBNJ) schafft damit einen rechtlichen Rahmen für Meeresgebiete jenseits nationaler Hoheitsgewässer. Diese umfassen rund zwei Drittel der weltweiten Ozeanflächen und waren bislang weitgehend ungeschützt. Erstmals können dort Meeresschutzgebiete ausgewiesen und Eingriffe wie Fischerei, Schifffahrt oder geplante Rohstoffnutzung verbindlich geregelt werden.
Die Hohe See ist ein zentraler Stabilitätsfaktor des globalen Klimas. Sie nimmt über 90% der zusätzlichen Wärme auf, die durch die Erderwärmung entsteht, und speichert rund 30% der menschengemachten CO₂-Emissionen. Gleichzeitig steht bisher weniger als ein Prozent dieser Gebiete unter effektivem Schutz. Überfischung, Verschmutzung und zunehmende wirtschaftliche Nutzungsinteressen setzen die dortigen Ökosysteme unter Druck und beeinträchtigen ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu binden und biologische Vielfalt zu sichern.
Das Abkommen gilt als Schlüssel zur Umsetzung des globalen „30×30“-Ziels, das vorsieht, bis 2030 30% aller Meeresflächen weltweit unter Schutz zu stellen. Wirksamer Meeresschutz kann nur gelingen, wenn er über Staatsgrenzen hinaus gedacht wird und ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine klimapolitische Aufgabe. Intakte und widerstandsfähige Ozeane sind unverzichtbare Akteure im Umgang mit der Klimakrise. Eine ambitionierte Meerespolitik ist daher eine wesentliche Voraussetzung für eine lebenswerte Zukunft.
Wo aktuell Bewegung entsteht und welche Entwicklungen Hoffnung machen, lest ihr in dieser Ausgabe der KlimaGoodNews. Viel Freude dabei 💚
WTO-Abkommen gegen Überfischung
Bereits seit September 2025 ist ein neues Abkommen der Welthandelsorganisation WTO in Kraft, das erstmals ökologische Nachhaltigkeit im Zentrum eines internationalen Handelsvertrags verankert. Es verbietet gezielt jene Fischereisubventionen, die zur Überfischung der Meere beitragen. Damit wurde ein wichtiger Schritt für den Schutz globaler Fischbestände erreicht.
Konkret untersagt das Abkommen unter anderem staatliche Förderungen für illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei) sowie für unkontrollierte Hochseefischerei. Auch Treibstoffzuschüsse, die in vielen Ländern die Fangkapazitäten erhöhten, sind künftig nicht mehr erlaubt. Zudem verpflichten sich die Vertragsstaaten, wissenschaftlich fundierte Daten über die Fischbestände in ihren Hoheitsgewässern zu erheben.
Laut Angaben der Vereinten Nationen gelten rund 35 % der untersuchten Fischbestände weltweit als überfischt. Die jährlichen Subventionen zur Steigerung der Fangkapazitäten beliefen sich zuletzt auf etwa 22 Milliarden US-Dollar. Mit dem neuen Abkommen werden die größten Subventionierer wie China, die Europäische Union und die USA stärker in die Verantwortung genommen.
Das Abkommen enthält auch Mechanismen zur Überprüfung und Durchsetzung: Staaten können künftig vor WTO-Gremien gegen Verstöße klagen oder Ausgleichszölle verhängen. Verhandlungen über ein zweites, umfassenderes Abkommen zur Schließung bestehender Regelungslücken – etwa zu indirekten Subventionen – laufen bereits.
Weltartenkonferenz stärkt Schutz für Haie, Frösche und bedrohte Arten
Auf der 20. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) in Usbekistan wurden im Dezember 2025 bedeutende Beschlüsse zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten gefasst. Erstmals wurde ein kommerzielles Handelsverbot für Haie beschlossen, darunter der Weißspitzenhochseehai. Auch Walhaie, Teufelsrochen und weitere Arten werden künftig strenger geschützt. Durch die neuen Beschlüsse unterliegt nun mehr als 90 % des weltweiten Handels mit Haifischflossen den Nachhaltigkeitskontrollen von CITES.
Artenschutzorganisationen werten die Entscheidung als Meilenstein. Sie könnte laut Expert:innen das Überleben bedrohter Arten sichern, deren Bestände durch Überfischung und den internationalen Handel stark unter Druck geraten sind.
Neben Meeresarten standen auch Amphibien im Fokus: Bestimmte Wasserfrösche, die vor allem für den europäischen Markt gefangen werden, erhalten ab 2027 internationalen Schutz. Ihr Handel wird künftig strenger reguliert. Für den Schutz von Giraffen, Nashörnern und Elefanten blieb es bei den bisherigen Regelungen. Anträge auf Lockerungen, etwa zum Handel mit Elfenbein oder Nashornhorn, wurden abgelehnt. Damit bleibt auch das internationale Handelsverbot für Elfenbein bestehen – trotz anderslautender Wünsche einzelner Staaten.
Das CITES-Abkommen regelt den internationalen Handel mit gefährdeten Arten und hat bereits über 40.000 Tier- und Pflanzenarten unter Schutz gestellt. Die Ergebnisse der Konferenz gelten als deutliches Signal für den Erhalt der Artenvielfalt.
🎊 Earthly Delights
Norwegen stoppt Tiefseebergbau vorerst bis 2029
Norwegen hat entschieden, bis mindestens 2029 keine neuen Lizenzen für Tiefseebergbauprojekte im Arktischen Ozean zu vergeben. Damit reagiert die Regierung auf zunehmende Kritik am geplanten Abbau von Rohstoffen wie Kupfer, Zink und Seltenen Erden im Norwegischen und Grönlandmeer.
Obwohl das Parlament bereits 2024 grundsätzlich grünes Licht für den Tiefseebergbau gegeben hatte, scheiterte die Umsetzung an fehlender politischer Mehrheit. Die jetzige Einigung im Rahmen der Haushaltsverhandlungen sieht vor, die Lizenzvergabe für die gesamte laufende Legislaturperiode auszusetzen. Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace begrüßen die Entscheidung und sprechen von einem wichtigen Schritt zum Schutz der sensiblen Tiefseeökosysteme.
Die betroffenen Rohstoffe gelten als strategisch relevant für die Energiewende, etwa beim Bau von Windkraftanlagen und Batterien. Doch Forschende und Umweltschützer:innen warnen vor irreversiblen Schäden durch Eingriffe in weitgehend unerforschte Lebensräume. Der Stopp in Norwegen gilt daher auch als Signal für eine wachsend kritische Auseinandersetzung mit den ökologischen Risiken des Tiefseebergbaus.
💯 Zahl der Woche
45 Millionen Kilogramm Plastik aus Gewässern entfernt
Die gemeinnützige Organisation The Ocean Cleanup hat im Jahr 2025 einen bedeutenden Meilenstein erreicht: Insgesamt wurden mehr als 45 Millionen Kilogramm Plastikmüll aus Ozeanen und Flüssen entfernt. Allein im vergangenen Jahr kamen über 25 Millionen Kilogramm hinzu. Diese Leistung zählt zu den größten Erfolgen, die bislang im Kampf gegen Meeresverschmutzung erzielt wurden.
Gegründet wurde die Initiative 2013 vom niederländischen Ingenieur Boyan Slat. Ziel ist es, bis 2040 rund 90 % des schwimmenden Plastiks aus den Weltmeeren zu entfernen. Dafür setzt die Organisation auf zwei Hauptstrategien. Zum einen sammeln schwimmende Systeme Plastik in Meereswirbeln wie dem Great Pacific Garbage Patch. Zum anderen kommen sogenannte Interceptor-Technologien in Flüssen zum Einsatz, um Müll an der Quelle zurückzuhalten. Etwa 80 % des Plastikmülls im Meer stammt aus nur einem Prozent der Flüsse weltweit.
The Ocean Cleanup arbeitet in neun Ländern und kooperiert mit lokalen Behörden, Gemeinden und Unternehmen. Der gesammelte Kunststoff wird recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet, darunter Sonnenbrillen aus Plastikmüll aus dem Ozean.
Obwohl die bisherigen Erfolge nur einen Teil des globalen Problems abdecken, zeigen sie deutlich das Potenzial technologischer Lösungen. The Ocean Cleanup beweist, dass gezielte Maßnahmen messbare Fortschritte im Meeresschutz ermöglichen.
💪 Challenge der Woche
Gib den Meeren deine Stimme
Die Meere spielen eine zentrale Rolle für eine lebenswerte Zukunft. Gleichzeitig geraten sie durch Überfischung, industrielle Nutzung und Rohstoffabbau zunehmend unter Druck. Internationale Abkommen setzen wichtige Rahmen. Ob Schutz wirksam wird, entscheidet sich jedoch in der politischen Umsetzung.
Die Challenge dieser Woche lautet deshalb:
✍️ Unterzeichne eine Petition für wirksamen Meeresschutz.
Es gibt verschiedene Initiativen, die unterschiedliche Aspekte des Meeresschutzes in den Fokus rücken. Hier findest du eine Auswahl an Petitionen von NGOs:
- Meeresschutzgebiete ohne Fischfang
- Rettet unsere Ozeane: Industrielle Zerstörung der Meere stoppen!
- Jetzt Meere schützen! Gasbohrungen vor Borkum stoppen!
Darüber hinaus gibt es weitere Initiativen, die sich für den Schutz der Meere einsetzen. Wähle eine Petition, deren Anliegen du teilst. Wenn du möchtest, leite die Petition weiter oder greife das Thema im eigenen Umfeld auf. Politische Veränderungen entstehen, wenn Anliegen sichtbar werden und Unterstützung erfahren. ✊🌊
Vielen Dank fürs Lesen der KlimaGoodNews #84💚
Wir freuen uns schon auf die nächste Ausgabe mit positiven Nachrichten für eine nachhaltigere gemeinsame Zukunft!